Mosaik
Angezogen durch kunsthandwerkliches Mosaik an Möbeln und künstlerisches Mosaik in
Bildern
Spiegelplastiken
Broken Plates
(Sprengel Museum Hannover)
© VG Bild-Kunst Bonn 2005
Obélisque aux étoiles
(Hansesaal Lünen)
und
habe ich die Technik "Mosaik" für die Kunst-AG vorgeschlagen und die Kinder gebeten, alte Teller, die nicht mehr gebraucht werden, von zu Hause mitzubringen. Ergänzend habe ich verschiedene Teller preiswert im Gebrauchtwarenmarkt der Arbeiterwohlfahrt gekauft.
Das Problem war nur: Was kann ein sinnvolles Thema für die Technik "Mosaik" sein?
Zunächst überlegte ich, die Kinder das Geschirr wie beim Polterabend mit Schwung und Aggressionsentladung zerdeppern zu lassen, indem sie es etwa auf dem Schulhof gegen eine Wand schmeißen. Aus der aggressiv-zerstörerischen Handlung und Erfahrung sollte - irgendwie - das Darstellungs- und Gestaltungsthema entstehen.
Aus Sicherheitsgründen verwarf ich diese "Materialgewinnungsmethode" jedoch und entschied mich für das Zerschlagen der - zum Schutz vor spritzenden Splittern in ein Handtuch gewickelten - Teller mit einem Hammer. Als ich dies ausprobierte, stellte ich fest, dass sich beim Zerschlagen ein interessanter Gefühlsmix aus vorsichtiger Ängstlichkeit, zunehmend kraftvollerem Mut, mitleidigem Bedauern, elektrisierenden Gewissensbissen, aufregend erlaubter Zerstörungslust bis zu mechanischem Steineklopfüberdruss einstellte.

Der Gedanke: aus den entstandenen Scherben diejenige aussuchen, deren Form der Handlung und den durch sie hervorgerufenen Gefühlen am meisten entspricht. Beim Überlegen, warum es gerade die gewählte Scherbe ist, können Aspekte und begleitende Gefühle der Handlung bewusstwerden. Diese Scherbe wird zum Mittelpunkt des Mosaiks, in einigem Abstand wird ihre Form darum herum nachgezeichnet und so vergrößert. Diese vergrößerte Scherbenform wird mit dem Scherbenmaterial ausgefüllt. So wird der zerschlagene Teller im Mosaik neu zusammengefügt zu einem Ausdruck seines Zerschlagenwerdens und seines "Zerstörers" in der Scherbenform.
Zum Aufkleben wird Fliesenkleber verwendet, der jedoch keine zu kurze Verarbeitungszeit haben sollte. Als Unterlage habe ich Styroporplatten gewählt. Sie sind nicht biegsam, so dass das Mosaik nicht zerbrechen kann. Zudem können sie leicht vor dem Verfugen in die Form des Mosaiks gesägt werden; anschließend werden die Schnittränder mit der Fugenmasse kaschiert.
Wie könnte man den Zerstörungsakt mit dem daraus entstandenen Material darstellen?
Statt Bild eine Bildbeschreibung: In eine rechteckige Gipsfläche sind verstreut Teller- und Tassenscherben, Puzzleteile und kleine Gegenstände eingelassen, ohne dass sich ein Muster oder eine bildliche Darstellung ergibt.
Der "Obelisk" steht in Lünen im Hansesaal vor einer großen Fensterfront und ist von außen sichtbar. Daher ging ich davon aus, dass ich ihn ohne Urheberrechtsgebühren fotografieren und abbilden darf. Nun erfuhr ich, dass auch dies nicht erlaubt ist.



Hier finden Sie weitere
Spiegelmosaike