Das "Alphabet" von Victor Vasarely war vom Künstler nicht als Basis für Sprache, sondern für die geo- metrische Konstruktion von Bildern gedacht. Da es aber nun einmal "Alphabet" heißt, liegt es nicht fern, die einzelnen Quadrate mit ihren unterschiedlichen Binnenformen als Buchstaben zu verwenden und aus Sprache über Geometrie ein Bild in der Fächerverbindung Sprache / Mathematik / Kunst herzustellen.
Vasarelys Alphabet hat mit Kreis, Kreissegment, Quadrat, Parallelogramm und Dreieck fünf Formen, aus denen durch Größen- und Lageveränderung acht werden.
Aus ihnen kann man durch unterschiedliche Farbgestaltung eine gewünschte Zahl unterschiedlicher "Buchstaben" gewinnen.
In Arbeitsteilung stellen wir zunächst 26 verschieden gestaltete Quadrate her:
Es darf gebastelt werden!
Da sieht man mal, dass Kunst auf unterschiedlichen Wegen, aus rein formalen ebenso wie aus inhaltlichen Absichten, Entscheidungen und Vorgehensweisen entstehen kann!
Jedes Kind stellt aus dem Alphabet ein Wort seiner Wahl zusammen und arbeitet die benötigten Buch-staben nach. Die Sprache bestimmt das Bild, da keine Wahlmöglichkeit der Buchstaben mehr bleibt. Einzige gestalterische Entscheidung ist die Anordnung der Buchstaben, die zwar ihre Reihenfolge behalten, aber in Anlehnung an Vasarely nicht als Reihe, sondern als Rechteck bis Quadrat gelegt werden.
Meine Absicht ist, Vasarelys Arbeit nicht einfach nur nachzumachen, sondern seine logikbestimmte Arbeitsweise und seinen Formenschatz zu eigener Gestaltung mit eigenem Inhalt zu nutzen. Problematisch könnte dabei eben dieser "Inhalt" sein, den es in Vasarelys Arbeiten so nicht gibt. Aber da er sein Werk "Alphabet" genannt hat, haben wir ihn eben beim "Wort" genommen!
Noch eine Anmerkung: Die Buchstaben-Quadrate erinnern an die Blocks, aus denen traditionell Quilts zusammengesetzt werden. Fortgeschrittene Textilschüler könnten aus ihren Initialen als Patchwork einen Klassenquilt arbeiten!
(Am besten natürlich als Geschenk für die Lehrerin! ;-))
Die Einstellung der Kinder zu dieser Vorgehensweise, die Vorbehalte gegen manche Farben und Formen und vielleicht der Verzicht auf erwünschte Buchstaben-Quadrate sollten thematisiert werden. Dadurch kann die persönliche Vorliebe für die Unterordnung unter Vorschriften und Systeme oder für das Ausleben individueller Wünsche in der künstlerischen Arbeit deutlich werden.