Die Kinder-Ausstellung "TRÄUMEN und FLIEGEN" mit aquarellierten Zeichnungen von Ilya Kabakov im Sprengel-Museum Hannover gab den Anstoß zu der Unterrichtsreihe zum Thema "fliegen".

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Von diesen Texten ging der Unterricht aus. Ich habe die Texte teilweise gekürzt und leicht umformuliert, wenn der Originaltext Verständnisschwierigkeiten erwarten ließ. Jedes Kind bekam einen Papierstreifen mit seinem persönlichen Textteil. Die einzelnen Abschnitte enthalten zum Teil konkret beschreibende Aussagen, zum Teil aber auch allgemeinere Aussagen, zu denen sich nicht unmittelbar ein passendes Bild im Kopf einstellt. Reihum wurden die Texte vorgelesen, wodurch alle Kinder einen Eindruck der Karmarov-Welt der fliegenden Menschen bekamen und in der Lage waren, auch dann ein Bild zu ersinnen, wenn ihr eigener Abschnitt eher offen war und weniger Konkretes vorgab. Die Aufgabe war zunächst schlicht: ein Bild zum Text zu malen.

"fliegen"
2. Schritt:
Ilya Kabakov: "Träumen
und fliegen"

Kabakovs Aquarelle beziehen sich jeweils auf kurze Textabschnitte der fantastischen Erzählung "Der weggeflogene Komarov". Sie bilden weniger eine fortlaufende Handlung, sondern eher die Beschreibung verschiedener 'Ge(p)flogenheiten' der fliegenden Menschen. In der Ausstellung waren die Textteile jeweils über den entsprechenden Bildern angebracht.

Auch dieser Unterrichtsschritt ist in erster Linie eine Vorübung, die Erfahrungen schaffen und Fantasie nähren soll für spätere eigene Ideen und deren Umsetzung.

Heute stand ich auf, öffnete die Balkontür, trat hinaus und sah da ringsherum im Himmel einen Haufen Menschen schweben…

Erläuterung: In diesen blauen Feldern sind jeweils die (bearbeiteten) Textabschnitte aus der Erzählung "Der fliegende Komarov" zu lesen.

Vor den Treppen der Krankenhäuser steigen die Menschen schnell und leicht in die Luft hinauf. Ebenso schnell steigen sie über dem Meer wieder ab.

Vertraute Menschen fliegen nebeneinander, bewegen gleichzeitig leicht die Arme, begegnen dem kräftigen Druck des Windes.

Manchmal zieht in der Ferne ein ebensolcher Liebhaber einsamer Wanderungen in der Luft vorüber.

Während der großen Festlichkeiten bilden alle Leute riesige klingende Kreise. Sie halten sich an den Händen, drehen sich langsam, und in der Morgenluft hört man die Lieder von Frauen-, Männer- und Kinderstimmen.

Über dem Meer schwebend, entdecken sie in seinem durchsichtigen Wasser Fischschwärme und sie fangen Lachse und Thunfische.

Oder Sie haben eine Menge Vögel vorgespannt und sausen durch die reine, durchsichtige Luft, das Gesicht der heißen Sonne darbietend.

Wir haben die Bilder der Kinder mit in die Ausstellung im Sprengel-Museum genommen. Dort sollten die Kinder ihren eigenen Textteil suchen und ihr eigenes Bild dazulegen. Nachdem alle Bilder zugeordnet waren, verglich jeder seine eigenen Ideen zum Text mit denen Kabakovs, unter der Prämisse, dass man natürlich verschiedene Vorstellungen und dementsprechend unterschiedliche Bilder zum selben Text entwickeln kann und dass somit nicht die Bilder des Künstlers die "richtigen" sind. So stellte zum Beispiel ein Mädchen fest, dass sie eigentlich den Text genauer umgesetzt hatte: "Da steht ja 'durchsichtiges Wasser', aber das hat der Künstler ja gar nicht durchsichtig gemalt. Ich schon!"

...und verloren sich sofort im Himmel.

Anschließend führten die Kinder einander in kleinen Gruppen zu ihren jeweiligen Bildern und Texten und zeigten den anderen, was sie selbst sich bei ihrem Bild gedacht hatten und was der Künstler anders gemacht hat als sie.

Zur gleichen Zeit waren im Sprengel-Museum drei Installationen von Christiane Möbus ausgestellt, die zwar nicht im Zusammenhang mit der Kabakov-Ausstellung standen, von denen aber zwei ganz offensichtlich auch etwas mit "fliegen" zu hatten, nämlich die fliegenden Schwäne und die nicht mehr fliegen könnenden, weil in Glas quasi festgefrorenen Enten. Die dritte Installation, hauptsächlich aus Koffern bestehend, hatte dagegen auf den ersten Blick nichts mit "fliegen" zu tun... Aber auf den zweiten vielleicht schon? Da es mein Ziel war, die Gedanken der Kinder über das Offensichtliche hinauszubefördern, fand ich es reizvoll und horizonterweiternd, in themenferne Kunstwerke einen Flug-Aspekt hineinzufantasieren. Das fiel den Kindern auch nicht schwer. Koffer fliegen? Ja, zum Beispiel, wenn man per Flugzeug verreist, dann fliegen die Koffer ja mit. Und dann gibt es da noch einen ganz speziellen fliegenden Koffer...

Nachdem die Kinder sich zunächst selbst mit den Installationen (mit Hilfe von Seite 1 des Arbeitsblatts) und der Nähe oder Ferne der Koffer zum Fliegen auseinandergesetzt hatten, las ich die Geschichte vom Fliegenden Koffer vor. Auf der Zugfahrt nach Hannover hatten die Kinder schon aus Pappschachteln einfache Koffer gebastelt, die sie jetzt bei sich hatten und die den Zugang zum Kunstwerk stärkten. Am nächsten Tag wurde in der Schule dann noch zu der Geschichte ergänzend gemalt.

Nach der gemeinsamen Suche nach "Flug-Aspekten" bei diesem Kunstwerk hatte ich geplant, dass die Kinder selbst in der Dauerausstellung des Museums Kunstwerke aufspüren sollten, zu denen sie bisher unentdeckte Anknüpfungen an das Fliegen er-finden (hierzu Seite 2 des Arbeitsblatts). Leider konnte dieses Vorhaben aus Zeitgründen nicht mehr durchgeführt werden.

Zur Anregung von Flugfantasien, Ideen und Imaginationen und um ungewöhnliche Bildvorstellungen entstehen zu lassen, wurden im Deutschunterricht Sachtexte über Flugpioniere (Daedalos und Ikaros, Schneider von Ulm, Otto Lilienthal) gelesen und erzählend wiedergegeben und es gab eine tägliche Lesehaushaufgabe von insgesamt 25 verschiedenen Geschichten, die auf unterschiedliche Art Berührung mit dem Thema "fliegen" hatten.

© Unterrichtsidee: Nicola Rother 2014


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